Exkursionen

Exkursionen
Die Eckpfeiler des Vogelschutzes

Von Georg Willi, Natur- und Vogelschutzobmann sowie Exkursionsleiter

Braucht es Exkursionen?

Eine der Grundstützen des Natur- und Vogelschutzes sind Exkursionen. Exkursionen, gemäss Duden wissenschaftlich vorbereitete und unter wissenschaftlicher Leitung durchgeführte Lehr- oder Studienfahrten, werden in den unterschiedlichsten Bereichen eingesetzt, nicht nur in der Naturwissenschaft. So werden Exkursionen oder Studienfahrten in Architektur, Kulturhistorik und Geschichtswissenschaft oder Belletristik, für Industriebesichtigungen und in Betriebswissenschaft sowie in vielen weiteren Bereichen durchgeführt. Primäres Ziel dieser Veranstaltungen ist meist die Vertiefung der Kenntnisse und des Wissens in den entsprechenden Fachbereichen. Ist die Vertiefung der Kenntnisse aber auch das einzige Ziel bei Vogelexkursionen, die von den verschiedenen ornithologischen Vereinen angeboten werden, oder steckt nicht noch mehr dahinter?

Von der Lehre zum Erlebnis

Auch wenn alljährlich landauf und landab Vogelexkursionen am frühen Morgen angeboten werden und zahlreiche Teilnehmer dabei sind, die die einzelnen Vogelarten vertieft kennen lernen möchten, scheint mir, dass es noch andere Gründe gibt, warum so viele Personen die Strapaze auf sich nehmen und so zeitig am Morgen aufstehen. Ich sehe neben der reinen Wissensvermehrung noch folgende Beweggründe: Da ist die Sehnsucht der Leute, dem Alltag für einmal den Rücken kehren zu können. Für viele bedeutet der Alltag Routinearbeit, für andere reine Kopfarbeit. Sie brauchen den Ausgleich und die Erholung, was sie in der freien Natur finden können.

Aber auch ein Jogger, Biker, Paraglider, Skater und was es noch für Freizeitsportler gibt, sie alle suchen ebenfalls die Natur auf, um sich in ihr zu erholen, was sehr oft zu einer Belastung für die Natur selber wird. Hinter den Vogelexkursionen steckt aber für viele Leute noch mehr als nur die Bewegung in der Natur. Es ist dies die Sehnsucht, die Natur mit allen Sinnen zu erleben, zu entdecken und zu beobachten. Bei den Vogelexkursionen werden speziell das Gehör und die Augen trainiert. Es ist aber auch einfach die Schönheit der Natur, die der Exkursionsteilnehmer aufnehmen und erfahren möchte. Diese emotionale Ebene kommt in unserem Alltag meist zu kurz.

Schliesslich spielt auch die soziale Komponente eine Rolle, die viele Leute zur Teilnahme an diesen Exkursionen animiert. Der Kontakt mit Gleichgesinnten steht dabei im Vordergrund, so insbesondere beim gemütlichen Teil nach einer Exkursion.

Exkursionen fördern das Umweltbewusstsein

Auch wenn die fachlichen, emotionalen und sozialen Komponenten eine wichtige Rolle bei Exkursionen spielen, der Beitrag solcher Exkursionen zur Umweltbildung darf nicht ausser Acht gelassen werden. Was bezweckt man aber mit der Umweltbildung? Als Ergebnis zielgerichteter Umweltbildung wird Umweltbewusstsein erwartet, also eine positive Gestaltung der Beziehungen zwischen den Personen und der natürlichen und sozialen Umwelt unter Berücksichtigung ökologischer Gesetzmässigkeiten. Sichtbarer Ausdruck des Umweltbewusstseins ist ein umweltgerechtes Handeln, im Falle ornithologischer Exkursionen in erster Linie die Sensibilisierung der Teilnehmer für den Schutz und die Verbesserung der Lebensbedingungen für unsere Vögel. Der Exkursionsleiter kann sehr viel dazu beitragen. Ihm obliegt die persönliche Betreuung und der intensive Dialog mit den Teilnehmern, wobei die emotionale Ebene nicht zu kurz kommen darf. Je kleiner die Gruppe, umso besser kann das Ziel erreicht werden. Als ein noch längst nicht vollkommener Exkursionsleiter bin ich bestrebt, ständig dazuzulernen, um die oben umrissenen Ziele mit meinen Gruppen besser und spielerischer zu erreichen.

Natur- und Vogelschutz werden immer wichtiger

In Zeiten, da der frühere Schwerpunkt ornithologischer Vereine, die Kaninchen- und Ziergeflügelzucht, an Bedeutung verliert, nimmt der Vogel- und Naturschutz einen immer grösseren Stellenwert ein. Ein wichtiger Programmpunkt bilden dabei die alljährlich stattfindenden ornithologischen Exkursionen, die sich einer steigenden Beliebtheit erfreuen. Die steigende Zahl der Teilnehmer ist auch ein Ausdruck eines zunehmenden Bedürfnisses, Natur, im speziellen unsere Vogelwelt zu erleben. Es ist wichtig, dass künftig diese wichtige Aufgabe in den Vereinen gefördert wird.

   Von der Vielfalt zur Einfaltdsfffff

Je nach Gemeinde bzw. Region sowie Jahreszeit und Witterung werden bei uns auf den Exkursionen zwischen 35 und 65 Vogelarten beobachtet. In den letzten Jahren wurde am 16. Mai 2005 in Ruggell mit 67 beobachteten Arten ein Spitzenergebnis erzielt. Wenn aber die obgenannte Zielsetzung bei Exkursionen, nämlich einen Beitrag zur Umweltbildung zu leisten, ernst genommen wird, spielt es keine Rolle, in welcher Gemeinde nun die meisten Vogelarten beobachtet werden. Vielmehr sollen daraus die richtigen Schlüsse gezogen und kommuniziert werden. In Ruggell beispielsweise, wo regelmässig die meisten Arten beobachtet werden, verpflichtet dies uns, die Erhaltung der Vielfalt ernst zu nehmen. In Mauren dagegen fällt die Liste beobachteter Vogelarten wesentlich kürzer aus. Hier, wo das Riet ausgeräumt ist und diesen Namen kaum mehr verdient, wo Baulanderschliessung und Eigeninteressen im Vordergrund stehen, ist die Sensibilisierung der Bevölkerung zugunsten der Natur besonders vordringlich. Aus eigenen Beobachtungen, die über 30 Jahre zurück reichen, hat Mauren in den vergangenen Jahrzehnten viel an Naturwerten verloren. So besetzte beispielsweise die Feldlerche 1979 noch sieben Reviere im Maurer Riet, seit 1993 hat die Art das Feld geräumt und taucht höchstens noch auf dem Durchzug auf. Ähnlich erging es verschiedenen anderen Arten, v. a. den Bewohnern typischer Riedlandschaften. Seit 1989 ist das Braunkehlchen, seit 1986 die Grauammer verschwunden. Als Brutvögel verschwunden sind auch Wachtel, Teichrohrsänger, Rohrammer oder Dorngrasmücke. Ein Gang durch Wiesen und Felder ohne den trillernden Gesang der Feldlerche hoch über meinem Kopf, ohne die Rufe von Braunkehlchen und Co. Ist für mich wie ein Gang durch einen Friedhof – im Andenken an verstorbene Mitgeschöpfe!

Der Natur wieder auf die Sprünge helfen

Durch Neugestaltungen von Lebensräumen, Schaffung ökologischer Ausgleichsflächen und Revitalisierungen von Fliessgewässern kann einer Landschaft neues Leben eingehaucht werden, das zeigen verschiedene Beispiele in Liechtenstein, so z.B. der Egelsees oder der Binzaweiher im Maurer Riet. Dazu braucht es jedoch verschiedene Voraussetzungen:

Es muss ein ökologisches Verständnis vorhanden sein, in erster Linie beim Planer, aber auch bei den Leuten, die mit der Umsetzung betraut sind. Zu oft vermisst man dieses Fachwissen, was zur Folge hat, dass Lebensräume geschaffen werden, die der Natur mehr schaden als nützen. Es sollte ohnehin zum Standard werden, dass Bauprojekte in der Landschaft ökologisch begleitet werden.

Es braucht den politischen Willen auf allen Ebenen, sowohl im kommunalen wie nationalen Bereich. Nur mit Unterstützung aus Politik und Verwaltung können die grossen Aufgaben angepackt werden, wertvolle Landschaften zu erhalten und nicht einem kurzsichtigen Bauboom zu opfern sowie ausgeräumte Landschaften wieder aufzuwerten.

Schliesslich kann der Druck seitens der Bevölkerung eine Entwicklung auslösen, die den Stein erst ins Rollen bringt, wie das Beispiel der Initiative zur Gewässerverbesserung an der Esche zeigt. Und hier schliesst sich der Kreis. Nur die Umweltbildung führt zu umweltbewussten Leuten, die auch umweltgerecht handeln. Dazu sollen auch die Exkursionen der ornithologischen Vereine beitragen.